Sildenafil (Viagra®)
Seit der Pharmakonzern Phizer die rezeptpflichtige blaue Pille mit der atypischen Rautenform auf den Markt brachte, hat sich der Name Viagra ähnlich im Bewusstsein der Öffentlichkeit eingeprägt wie Aspirin für Schmerzmittel. Allgemein als Potenzpille bezeichnet, war Viagra bei seiner Markteinführung das einzig wirksame Medikament gegen krankheits- oder altersbedingte erektile Dysfunktion und damit für viele Männer die ersehnte Heilung ihrer Erkrankung.
Wie oft bei den großen Entdeckungen der Medizingeschichte verdankt auch Viagra seine Existenz einem Zufall. Ursprünglich richtete sich Phizers Interesse auf die Entwicklung eines blutdrucksenkenden Mittels mit dem Wirkstoff Sildenafil. Bei Studien stellte sich zwar heraus, dass der Wirkstoff seinen Zweck nicht erreichte, aber viele männliche Testpatienten berichteten von einem unerwarteten Nebeneffekt, der für sie eine ungeahnte Steigerung der Lebensqualität mit sich brachte. 1992 meldete Phizer den Wirkstoff dann für klinische Studien an und brachte schließlich sechs Jahre später Viagra heraus.
Vereinfacht ist Sildenafil ein sogenannter PDE-5-Hemmer, der dafür sorgt, dass eine Muskelentspannung in den Schwellkörpern stattfindet. Dadurch kann mehr Blut einströmen und es kommt unter der Einwirkung sexueller Stimulation zur Erektion. Unangenehme und peinliche Prozeduren aus der Zeit vor Viagra, wie Spritzen in den Penis oder Vakuumpumpen, werden durch die Einnahme einer Pille ersetzt und in Kombination mit der nötigen sexuellen Stimulanz wirkt Viagra auch nur dann, wenn es wirken soll. Je nach Dauer der Potenzstörung muss die richtige Dosierung gefunden werden und es können mehrere Einnahmen nötig sein, bis die Durchblutung des Schwellkörpers wieder ein Niveau erreicht hat, das zu einer vollständigen Erektion führt.
Auch wenn eine Zeit lang Berichte über ein erhöhtes Herzinfarktrisiko für Aufregung sorgten, hat sich mittlerweile in klinischen Studien herausgestellt, dass dieses Risiko nicht größer ist als bei allen anderen Männern mit normaler sexueller Aktivität. Vorbelastete Herzpatienten, die nitrathaltige Herzmittel einnehmen müssen, sollten allerdings auf den Gebrauch von Viagra verzichten, da es zu bedrohlichen Blutdrucksenkungen kommen kann.
Ansonsten zählen zu den bekanntesten Nebenwirkungen eine Rötung des Gesichts oder Kopfschmerzen. Es wundert kaum, dass die davon betroffenen Männer trotzdem auf die Behandlung mit Viagra nicht verzichten. Wichtig bei der Anwendung ist eher, sich nicht gleich zu überschätzen und die verlorene Zeit nachholen zu wollen.
Gerade weil die Wirkung von Viagra so eindrucksvoll ist, wird der Markt von Plagiaten überschwemmt, die bestenfalls nur aus gefärbtem Zucker bestehen, dafür aber sehr viel Geld kosten. Schlimmstenfalls enthalten sie abstruse Wirkstoffe, die mehr Schaden anrichten als alles andere. Es ist deswegen ratsam, Viagra nur unter ärztlicher Aufsicht anzuwenden.